Camino Portugues,  Jakobsweg Blog

Das Flugzeug

Sonntag, 9. Juni 2019, 6:00 Uhr
Ich bin wach … und aufgeregt. Um 8 Uhr holt mich mein Papa ab, um mich zum Bahnhof zu bringen. Von dort geht’s mit dem Zug nach Dortmund Hbf und von dort zum Flughafen. Nein, ich wollte nicht, dass mich jemand zum Flughafen bringt. Ich wollte im Zug alleine sein, um mich seelisch auf den Flug vorbereiten zu können. Apropos vorbereiten. Ich habe auch schon alles vorbereitet. Der Rucksack ist gepackt (und gewogen: 7,5kg) und die Hasen sind auch schon seit Samstag in ihrer Urlaubs-Unterkunft. Ich musste also Zeit totschlagen und habe zehnmal kontrolliert, ob ich alle Flugunterlagen und mein Portemonnaie dabei habe. Etwas essen konnte ich nicht (kann ich nie, wenn ich aufgeregt bin). Aber zum Glück habe ich ja ca. 15 Müsliriegel in den Rucksack gepackt. Nein, das ist kein Scherz.


Nachdem ich dann endlich am Bahnhof angekommen war, habe ich mir erstmal Frühstück und die neue Ausgabe der Shape-Zeitschrift gekauft.
Die Fahrt im Zug ging richtig schnell rum. Überrascht war ich, dass ich für den Bus vom Hauptbahnhof zum Flughafen 9€ zahlen musste … Das muss jetzt ja auch nicht unbedingt sein, oder?
Mein Flug ging um 14 Uhr. Um 11 Uhr kam ich an und dachte, ich könnte schon einchecken. Nichts da. Der Schalter war noch nicht geöffnet. Kann ja nicht mehr lange dauern, dachte ich … Nach zweimal Pipi machen und einem Schokobrötchen später, fing ich sogar an zu googlen, wann so ein Schalter vor dem Flug eigentlich aufmacht. Ich hatte nämlich für meinen Rucksack ein Extra-Aufgabegepäckstück buchen müssen, weil die Maße meines Rucksacks zu groß für das Kabinengepäck waren. Zum Glück hatte ich mich schon recht früh in die Schlange für den Check-In gesetzt, sodass ich als Dritte an der Reihe war, nachdem der Schalter eine Stunde vor Abflug geöffnet wurde. Irgendwie hatte ich Angst, dass mein Rucksack nicht ankommt. Es ist ja schließlich kein Koffer und so ein Rucksack kann ja bestimmt schnell mal wegkommen.

Nachdem er abgegeben war, ging ich mit meinem Handgepäck durch die Sicherheitskontrolle. Ich wurde von der Security für meine perfekt gepackten durchsichtigen Beutelchen gelobt. Das habe ich nicht zuletzt meiner Freundin Claudia zu verdanken, die mir eine Schritt-für-Schritt Anleitung für den Ablauf am Flughafen gegeben hat. Danke Claudi! Nachdem ich dann zwei 0,5l Wasserflaschen für 7,50€ gekauft habe, wartete ich auf das Boarding. Das dauerte zum Glück nicht lange, da wir ja eh kurz vor knapp waren. Dank Priority saß ich also schon fertig angeschnallt, mit Kaugummis bewaffnet, auf meinem Platz, als alle anderen noch einstiegen. Neben mir saß ein alter Herr, der bestimmt Portugiese war. Hinter mir nahmen zwei Frauen in Wanderkleidung platz. Ach die pilgern bestimmt auch, dachte ich mir. Hatte aber vor lauter Aufregung keine Zeit, mich weiter mit ihnen zu beschäftigen.
Kurz nachdem ich versucht habe, mir die Sicherheitsanweisungen wirklich einzuprägen ging es auch schon los. Der Start macht mir nie Sorgen. Ich fand es sogar ein wenig spaßig. Aber prompt hatte ich Ohrendruck. Also trank ich mein Wasser fast komplett aus. Noch drei Stunden Flug vor mir….

Als ich mich dann beruhigt hatte, habe ich mich zu den beiden Mädels hinter mir umgedreht und gefragt, ob ich sie aus der Jakobsweg-Facebook Gruppe kenne. Da haben sich nämlich zwei Mädels gemeldet, die mit mir im selben Flugzeug fliegen wollten. Aber die beiden hinter mir waren es nicht. Sie waren ganz verwundert, dass ich alleine unterwegs bin. Hätten sie ja selten gehört sowas. Und ich dachte mir, dass es eigentlich der Sinn dahinter ist, dass man alleine geht. Ehrlich gesagt hätte ich mir im Vorfeld auch nicht vorstellen können, mit jemandem zusammen zu gehen.


Noch 1,5 Stunden bis zu Landung … und oh oh … meine Blase meldet sich. Ich will mich nicht abschnallen, das ist zu unsicher, denke ich. Was, wenn plötzlich Turbulenzen auftreten und ich durch die Luft geschleudert werde… Also halte ich das noch aus, oder wage ich es, dass aller erste Mal im Flugzeug auf Toilette zu gehen? Ok ich gehe! Dachte ich mir, als der Portugiese neben mir zu allem Übel noch eine zischende Dose Pepsi aufmachte und das Blubberwasser in seinen Plastikbecher füllte. Das Ende vom Lied: Pipi machen im Flugzeug ist halb so wild :D. Eigentlich wie im Zug.

So dann konnte ich mich ja jetzt auf die Landung vorbereiten. Da ich immer extreme Probleme mit Ohrendruck habe, der so schlimm wird, dass sich richtige Schmerzen entwickeln und ich dann zwei Tage lang nichts hören kann, habe ich last minute in der Apotheke extra Ohrstöpsel fürs Flugzeug gekauft. Die sollen dafür sorgen, dass das Ohr den Druck besser ausgleichen kann. Also habe ich mir die Dinger in die Ohren gesteckt und siehe da: Nichts! Also ich höre nichts, denn der Druck in den Ohren ist da. Trotz Ohrstöpsel. Und da ist es wieder dieses Gefühl, weshalb ich so ungerne fliege. Ich höre nichts und die Ohren tun weh.

Als wir gelandet sind, sehe ich ziemlich viele Menschen in Wandersachen aussteigen. Eins kommt mir nur komisch vor. Die haben alle ihren Rucksack dabei. Wie haben die das nur gemacht?

Am Gepäckband höre ich immer noch nichts. Ich schnappe mir meinen leuchtend orangenen Rucksack (Ich habe ihn nämlich ins Regencover eingepackt, damit er nicht dreckig wird) und ignoriere, dass mich eine Frau auf Portugiesisch anspricht, weil sie nicht versteht, wie man diese Koffer-Wagen schiebt. Im Internet habe ich mich schon informiert, welches Metroticket ich kaufen muss, damit ich zu meinem Hostel komme. Schon in Gedanken beim Hostel merke ich plötzlich, dass kurz vorm Ausgang der Ankunftshalle ein Zollbeamter hinter mir herläuft. -Ich höre immernoch nicht gut- In dumpfen Geräuschen nehme ich wahr, dass er mich fragt, welcher mein Abflughafen war. Ich sagte Dortmund, Germany. Er sagte achja? und dass mein Gepäckstück gar kein Label hat vom Flughafen. Prompt zeigte ich ihm das Schild an meinem Rucksack, was in der Tat versteckt war und er lächelte und ließ mich gehen. Was dachte er denn? Dass ich einen Wanderrucksack voll Schmuggelware mit mir rumschleppe?

Mit meinen angeschlagenen Ohren schaffte ich es dafür erstaunlich gut, das Metroticket zu kaufen. Optimistisch bin ich dann auch einfach in die nächste Metro eingestiegen. Ich versicherte mich bei einem Mitfahrer, ob die Metro bis ins city center fährt und genoss dann (schwitzend und im Stehen) die Fahrt. An der Station Trindade angekommen, wusste ich instinktiv sofort den Weg zum Hostel, dank vorheriger Google Maps Recherche. Das Hostel war super cool. Ich hatte ein Bett in einem 4er Frauen-Zimmer. Ich dachte mir für den Anfang reichen 3 fremde Menschen. Zwei Mädels kamen aus Kanada und das andere Mädchen aus Italien, Mailand.
Der Hunger und die Neugierde trieben mich dann nach draußen. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Rein zufällig spielte heute Portugal gegen die Niederlande und es gab ein riesen public viewing.

Ich wollte aber nicht ins Getümmel. Ich wollte zur Kathedrale, der Startpunkt des Jakobswegs und mein Startpunkt für den nächsten Tag. Als ich dort ankam, überraschte mich wirklich die Magie, die dieser Ort ausstrahlte. Es war so unglaublich ruhig dort. Die Sonne war kurz davor unterzugehen und der Ausblick auf den River Douro war wunderschön. Ich setzte mich eine Weile hin und fing dann an, den Bacalhau zu essen, den ich mir vorher gekauft habe. Leider mag ich das nicht, wie ich schnell feststellte … Ich habe mir noch den allerersten Stempel für meinen Pilgerausweis in der Kathedrale abgeholt und meinem Tagebuch von dem Tag erzählt.

Als mir dann zu kalt wurde, ging ich zurück zum Hostel. Ich duschte noch und legte mich dann ins Bett, nachdem ich mich noch mit den Zimmerkameradinnen über unsere Leben und Pläne ausgetauscht habe. Ich schlief erstaunlich gut. Ich habe sogar gar nicht mitbekommen, dass zwei der Mädels nachts vom Feiern zurückkamen. Ich wachte nur irgendwann nachts auf, weil es laut KNACK machte… In meinen Ohren … Juhu! Ich kann wieder hören!

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