Camino Portugues,  Jakobsweg Blog

Etappe 9: Regen, Regen, Regen

Ich erwache sehr erholt und super fröhlich. Ich bin wieder ganz die Alte! Also wird zackig der Rucksack gepackt und schnell ein Joghurt gefrühstückt. Dann wollen wir aufbrechen. Doch mit Sabinas Fuß stimmte etwas nicht. Sie kann kaum laufen. Außerdem ist Regen angesagt. Das könnte im Wald für sie gefährlich sein. Ralphy wird bei dem Gedanken an Regen auch unwohl, da er ja keinerlei Regenschutz dabei hat. Unser heutiges Ziel ist Caldas de Reis. Das sind etwas unter 30 km und so beschließen Sabina und Ralphy, mit dem Bus dorthin zu fahren. Um zur Busstation zu gelangen, mussten sie wieder den Zug nehmen. Wir begleiteten sie. Am Zielbahnhof angekommen, tranken wir noch gemeinsam einen Kaffee und buchten in Caldas de Reis ein air bnb für uns. Nici und ich legten danach unsere Regenponchos an, da der Himmel doch recht dunkel war und begannen unsere Etappe. An der nächsten Ecke mussten wir die Ponchos wieder ausziehen, weil es viel zu heiß in den Dingern war. Meiner hatte Knöpfe an der Seite und die gingen bei der kleinsten Bewegung auf. Das war unglaublich nervig. Und bei den paar Tropfen, die vom Himmel fielen, war ein Poncho noch nicht notwendig.

Es war hier auf dem zentralen Weg merklich voller. An jeder Ecke sah man einen Pilger samt Rucksack. Allerdings auch einige ohne Rucksack. Hin und wieder sprachen wir jemanden ohne Rucksack an und erfuhren, dass diese Personen einen Rucksack-Transport bis in die nächste Stadt gebucht hatten. Andere waren einfach Tagespilger. Mit einem Pilger kamen wir ins Gespräch. Er hatte gerade den Camino Frances (800km) absolviert und war so im Pilger-Modus, dass er direkt den Camino Portugues begann. Wahnsinn. Nach einiger Zeit kehrten wir in ein Café ein. Scheinbar hatten außer uns noch viele weitere Pilger den Wunsch, dort einzukehren. Aber ein Kaffee zwischendurch muss einfach sein.

Nici und ich waren nach dem Kaffee total flott unterwegs und gerieten richtig ins Schwitzen. Ralphy und Sabina waren bereits in Caldas angekommen und hatten sich eine Massage gebucht. Dabei wurde festgestellt, dass Sabina eine Entzündung im Fuß hatte. Daher auch ihre Schmerzen.

Nicis und mein Weg führte uns durch unzählige Weinreben. Nach einiger Zeit regnete es ziemlich stark. Zeit für den Poncho. Auch diesmal gingen die Knöpfe an der Seite ständig auf und in dem Poncho entwickelte sich ein saunaähnliches Klima. An sich war der Regen nicht schlimm. Aber mit dem Poncho nervte es nur. Wir unterhielten uns viel auf dem Weg. Ich erzählte Nici von etwas, dass ich vor kurzem in einem Buch gelesen hatte. Stell dir vor, am Ende deines Lebens wird ein Museum für dich gebaut. Welche Momente und Erlebnisse aus deinem Leben würden dort ausgestellt? Wir dachten beide einige Zeit darüber nach. Ich finde den Gedanken sehr schön und bin mir sicher, dass mein Camino dort auf jeden Fall ausgestellt würde.

Zwecks Pipipause steuerten wir die nächste Lokalität an. Es war ein Wohnhaus, direkt am Camino gelegen. Auch hier war es sehr voll. Es gab nur eine Toilette. Dieses ganze “Café” wirkte wie ein Wohnzimmer. Als ich auf Toilette war, bestätigte sich mein Verdacht, dass es sich um ein Wohnhaus handeln musste. Denn das Klo war ein vollausgestattetes Badezimmer. Da war also jemand, der sein Wohnhaus für Pilger öffnete und Speisen und Getränke verkaufte. Das nenne ich mal Gastfreundschaft … oder einen guten Geschäftssinn. An einem langen Tisch saß eine große Gruppe Asiaten. Wir hatten sie heute schon mal gesehen. Da haben sie einen Pilger gebeten, ein Gruppenfoto von ihnen zu machen.
Wir machten uns schnell wieder auf den Weg in den strömenden Regen. Die Aussicht auf eine eigene Wohnung für uns vier für den Rest des Tages war aufmunternd. Nach einiger Zeit bemerkte ich den Regen gar nicht mehr. Nervig war nur, dass ich unter dem Poncho so schwitzte, denn besonders kalt war es nicht.

Die Landschaft veränderte sich kaum merklich. Immer wieder gingen wir durch die Weinreben. Überall waren Pilger. Hier und da durchquerten wir ein Dorf. Es schien kein Ende zu nehmen, doch dann erreichten wir endlich Caldas de Reis. Klatschnass besuchten wir Ralphy und Sabina in einem Restaurant und bestellten dort ein Pilgermenü. In der Zwischenzeit checkten die anderen beiden in unsere Wohnung ein. Ich freute mich schon jetzt auf eine heiße Dusche. Wir gingen alle gemeinsam einkaufen und machten es uns dann in unserer Wohnung bequem. Es gab drei Zimmer und sogar ein Wohnzimmer, aber wir saßen alle in Nicis und meinem Zimmer auf den Betten und blödelten herum.

Gegen Abend kochten wir gemeinsam Nudeln. Anschließend führte ich noch ein Video-Telefonat mit meiner Schwester und ihrem Mann. Es war sehr schön, mit ihnen zu sprechen. Aber an zu Hause wollte ich noch gar nicht denken. Ich war hier so glücklich und zufrieden. Diesen Zustand wollte ich noch lange behalten.

Generell war der Tag heute relativ unaufgeregt. Wir sind enfach nur gegangen. Ohne besondere Vorkommnisse. Auch mal schön so ein Tag.

Morgen wollen wir in einem Kloster übernachten. Dazu ist es wichtig, dass wir rechtzeitig losgehen, denn es gibt dort nur 30 Betten. Apropros Bett. So eine “echte” Matratze hat schon was… nachti nachti!

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