Camino Portugues,  Jakobsweg Blog

So ging die Reise weiter

Nach unserer Ankunft in Santiago (die ich ja ausführlich hier im vorherigen Post beschrieben habe) verbrachten wir den Nachmittag mit dem ein oder anderen Bierchen vor der Kathedrale. Es war wunderschön, dort zu sitzen und all die Neuankömmlinge zu beobachten. Diese ganzen Emotionen zu sehen, die wir kurz vorher auch erlebt hatten. In die Kathedrale konnten wir leider nicht hinein, da sie zu der Zeit renoviert wurde und daher gesperrt war.
Gegen Nachmittag checkten wir in unser Hostel ein. Es hatte ganz gute Bewertungen, war aber recht teuer. Man merkte eben, dass man hier im Pilger-Hotspot ist. Aber nicht nur das, Santiago ist die Hauptstadt Galiciens und hat knapp 100.000 Einwohner. Demnach waren natürlich alle Gassen, Geschäfte und Restaurants gut gefüllt. So viele Menschen auf einem Haufen hatte ich das letzte Mal knapp zwei Wochen zuvor in Porto gesehen.
Im Hostel wurden wir nach dem Check-In auf unsere Betten verteilt. Leider waren wir alle in verschiedenen Zimmern. Das Hostel war ausgebucht, also konnten wir auch nicht tauschen. Es war recht modern, aber auch hier schliefen wieder viele Menschen gemeinsam in einem Raum. Ich hatte mich zwar daran gewöhnt, mit fremden Menschen in einem Raum zu übernachten, aber Entspannung und Ruhe kehrt da nicht so wirklich ein. Zu jedem Bett gehörte ein Schrank, den man mit einer selbstausgedachten Nummernfolge verschließen konnte. Ihr könnt euch wirklich nicht vorstellen, wie oft ich diese Nummern vergessen habe. Zum Glück hatte ich sie in meinem Handy notiert.


Nach einer Dusche in der Gemeinschaftsdusche machte ich mich mit Nici und Ralph auf, die Stadt zu erkunden. Wir gingen durch die Gassen in Santiagos Altstadt. Alles war sehr malerisch, idyllisch und alle Menschen strahlten. Von Balkonen spielten Musiker und darunter standen Menschen und tanzten und klatschten. Nach einiger Zeit erreichten wir die Neustadt Santiagos. Oder mit anderen Worten die Einkaufsstraße. Es gab sehr viele Geschäfte. Nici und ich hatten kurz überlegt, ob wir uns neu einkleiden sollten. Die Verlockung war groß, denn in der Neustadt waren nicht mehr so viele Pilger. In unseren Wanderklamotten stachen wir ein wenig hervor. Wir schlenderten durch diverse Modegeschäfte und sofort fühlte ich mich wieder zurück im hier und jetzt. Ich fühlte mich, wie in einem normalen Urlaub. So gerne ich auch etwas gekauft hätte, ich hätte es in meinem vollen Rucksack nicht transportieren können. Wir ließen uns in einer Bar nieder und tranken ein Bier. (Ja, ein sehr alkoholreicher Tag heute) Für unser Abendessen wollten wir ein besonderes Restaurant wählen. Denn diesmal sollte es wirklich unser letztes gemeinsames Abendessen sein. Wann und ob wir uns jemals wiedersehen würden, wussten wir alle nicht. Da Ralphy unser Google-Experte war, fand er nach einer kurzen Recherche ein sehr gut bewertetes Restaurant. Wir schickten Sabina den Standort und machten uns auf den Weg dorthin. Als wir das Restaurant betraten, fühlten wir uns wirklich fehl am Platz. Es saßen schick gekleidete Menschen dort, die Rinderfilet aßen und Wein tranken. Aber wenn sich einer heute Rinderfilet und Wein verdient hatte, dann ja wohl wir. Wir nahmen schließlich Platz und bestellten genau dies. In dem Restaurant hatte man die Wahl, ob man eine ganze oder eine halbe Portion bestellen wollte. Da wir noch Nachtisch essen wollten, entschieden wir uns für halbe Portionen. Für die Vorspeise überraschte uns Ralphy. Er hatte nämlich für alle Feigensalat bestellt. Wenn ich an diesen Feigensalat denke, dann läuft mir noch immer das Wasser im Mund zusammen! Es war einfach so unglaublich lecker und seitdem bin ich ein totaler Feigen-Suchti geworden. Anschließend folgte die Hauptspeise. Also unsere halbe Hauptspeise… Wir Mädels hatten ein kleines Stück Fleisch mit Gemüse und Ralph hatte Cannelloni gewählt. Auf seinem Teller lag wirklich nur eine Cannelloni. Da wir uns in einem feinen Restaurant befanden, konnten wir nicht, wie sonst üblich, laut loslachen, also versuchten wir alle, unser Lachen zu verstecken und mit Wein runterzuspülen. Als Ralphy sagte, dass er diese Cannelloni mit nur einem Bissen verschlingen könnte, brach es aus uns heraus. Wir haben Tränen gelacht und währenddessen unser Rindertfilet(chen) gegessen. Um die weiteren Gäste in dem Restaurant mit unserer guten Laune nicht weiter zu belästigen, entschieden wir uns als Nachtisch ein Eis von einer Eisdiele neben der Kathedrale zu besorgen.

Mittlerweile war es schon dunkel geworden und es herrschte die reinste Feierstimmung in den Gassen Santiagos. Vor der Kathedrale spielte eine spanische Band. Wir gingen dorthin und tanzten ausgelassen mit anderen Pilgern. Ich saugte die positive Stimmung in mich auf und versprach mir selbst, dass ich an dunklen Tagen in der Zukunft genau daran denken würde. 

Als wir uns müde getanzt hatten, gingen wir zum Hostel zurück. Morgen werden wir Abschied nehmen von Nici und Sabina, denn ihr Heimflug steht an. Ralphy und ich werden “ans Ende der Welt” nach Finisterre fahren.
Mit gemischten Gefühlen lag ich in meinem Bett im Schlafsaal. An Schlafen war leider nicht zu denken. So ein Hostel mitten in der Altstadt ist ja schön, aber es war anscheinend direkt neben einer Disco. Aufgrund der Wärme konnte man die Fenster auch unmöglich schließen. Also lauschte ich den Feiernden, bis ein Pilger in den Schlafsaal kam, der sich einen bösen Husten eingefangen hatte. Die ganze Nacht hustete er. Ich konnte es sogar durch meine Ohropax hören. Irgendwann bin ich dann vor Erschöpfung eingeschlafen. 

Als ich am nächsten Morgen die Augen öffnete, war das erste, was ich sah ein behaarter Bierbauch. Der Mann vom Bett gegenüber war gerade dabei, sich anzuziehen und da es sehr eng war, musste er dies wohl vor meinem Bett tun. Als er weg war stand ich ebenfalls auf und traf mich mit den anderen zum Frühstück in einem Café nebenan. Das Frühstück war wie immer eher mittelmäßig. Langsam konnte ich wirklich keine süßen Teilchen und Sandwiches mit Käse und Schinken mehr sehen.
Dann war der Zeitpunkt des Abschieds gekommen. Ralphy und ich hatten uns ein Auto am Flughafen von Santiago gemietet, mit dem wir nach Finisterre fahren wollten. Wir mussten also zum Busbahnhof und dann von dort mit dem Bus zum Flughafen.
Mit ganz ganz schwerem Herzen knuddelten wir Nici und Sabina ein letztes Mal. So saß ich dann mit verheultem Gesicht im Bus auf dem Weg zum Flughafen. Zum Glück mussten wir noch nicht nach Hause fliegen. Ich war noch nicht soweit, mich gedanklich darauf einzulassen, nach Hause zurückzukehren. Nach ziemlich langer Wartezeit an der Sixt-Station am Flughafen bekamen wir endlich unser Auto und starteten in Richtung Küste. Ich merkte, dass mir die Nacht in den Knochen steckte und lehnte meinen Kopf ans Fenster und schlief ein. Zum Glück hatte sich Ralphy dazu bereit erklärt, den Fahrer zu spielen. Ich erwachte, als die Küste in Sicht war.

Leider war es ein wolkiger Tag. Bei Sonne wäre es bestimmt auch schön gewesen, aber irgendwie passte die wolkige Stimmung zu den mystisch anmutenden Klippen am “Ende der Welt”. Als wir das Auto parkten, ausstiegen und ich die Klippen und das Meer sah, ging für mich in genau diesem Moment ein Traum in Erfüllung. Hier am Kap Finisterre, so sagt man, befindet sich das eigentliche Ende des Jakobsweges. Hier steht auch der Kilometerstein, der 0 km anzeigt. Es gilt als magischer Ort, um den sich Sagen und Legenden ranken. Ich habe die mystische Stimmung sofort aufgesaugt wie ein Schwamm und hatte hier auf jeden Fall einen der schönsten Momente auf meiner Reise. An den Klippen zu stehen, auf den Ozean zu schauen, der scheinbar bis ins Unendliche zu reichen scheint und dann zu realisieren, was man eigentlich die letzten zwei Wochen gemacht hat. Tag für Tag, Kilometer für Kilometer bin ich meinem Ziel näher gekommen. Das Ziel war nicht Santiago, auch nicht Finisterre, das Ziel war ich selbst. Mit meiner Ankunft hier, habe ich so viel losgelassen, was mich vorher belastet hat. Ich war frei von Sorgen und Ängsten und einfach nur glücklich. Ich wäre am liebsten gar nicht von hier weggegangen, aber meinem kleinen Amerikaner war kalt geworden. Generell frierte er immer sehr schnell, während es für mich immer eher zu warm war.

Wir hatten uns ein Apartment im Ort unterhalb der Klippen gemietet. Hier gab es zwar auch Pilgerunterkünfte, aber die durfte nur besuchen, wer von Santiago aus zu Fuß hier hergekommen war. Hätten wir genügend Zeit gehabt auf unserer verbleibenden Reise, dann wären wir auch gerne weiter gepilgert. Denn komisch ist das Gefühl schon – morgens aufzustehen und nicht wie gewohnt, den Rucksack zu packen, die Schuhe zu schnüren und sich aufzumachen für einen 25 – 30 km Pilgertag. 

Wir checkten also ein und ich machte mich auf den Weg zum nächsten Supermarkt, um für ein Abendessen einzukaufen. Ich hatte Ralphy versprochen, etwas zu kochen, denn ich hatte keine Lust mehr auf Restaurantbesuche. Ich zauberte uns eine leckere Pasta mit frischer Tomatensoße, Sardellen und Oliven. Mittlerweile regnete es, also warfen wir uns auf die Couch und schauten den Film “The Prestige” auf Ralphys Laptop. Sehr empfehlenswert der Film! Währenddessen futterten wir Chips und Süßigkeiten und schliefen dann mit vollen Bäuchen zufrieden ein. 

Am nächsten Tag fuhren wir nach Santiago zurück und gaben das Auto am Flughafen ab. Dann ging es wieder mittels Bus zurück zum Busbahnhof. Der Tag wird tatsächlich nur aus Busfahren bestehen, denn heute wollten wir nach Portugal zurückkehren. Nach einem Frühstück am Busbahnhof stiegen wir in unseren gebuchten Flixbus mit dem Ziel Porto. In 4 Stunden fahren wir die Strecke zurück, für die wir zu Fuß fast 14 Tage benötigt hatten. Ein wirklich merkwürdiges Gefühl, als wir durch Vigo fuhren, durch Redondela, entlang an der Küste und durchs Landesinnere. Irgendwann hielt der Bus auf einem riesigen Parkplatz an und der Busfahrer stieg aus. Niemand wusste, was da vor sich ging. Dann fing der Busfahrer an, den Bus zu waschen. Mit einem Schlauch, per Hand. Zum Glück hatten wir keinen Flug, den wir jetzt verpassen könnten.

Wir nutzten die Zeit und reservierten wieder ein Air bnb. Direkt im Zentrum von Porto. Von einigen Mitfahrern im Bus hörten wir, dass es an diesem Tag ein großes Fest in Porto geben sollte. Und kaum waren wir in Porto angekommen, sahen wir einige Foodtrucks und bunte Stände in den Straßen. ES waren viele Menschen unterwegs. In der Luft lag ein Geruch von gegrilltem Fisch. Nach unserer Ankunft in Porto riefen wir uns ein Uber, welches uns zu unserem Apartment brachte. Der Uber-Fahrer klärte uns über das heutige Fest auf. Es handelt sich um ein religiöses Fest, bei dem der städtische Schutzheilige São João (Johannes) jedes Jahr am 24. Juni ausgiebig und begeistert gefeiert wird. Es ist ein buntes, fröhliches und ausgelassenes Fest mit viel Musik und Essen.
Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, gingen wir raus, um nichts von dem Fest zu verpassen. Es fand in der gesamten Stadt statt. Straßen waren gesperrt und da, wo sonst Autos fuhren, standen Bühnen. An kleinen Ständen am Straßenrand konnte man bunte Plastikhammer kaufen, mit denen man anderen liebevoll auf den Kopf klopfen sollte. Damit wünscht man Glück für das kommende Jahr. Ich beobachtete einige Menschen dabei, natürlich wurde mir auch selbst auf den Kopf gehauen und ich beschloss, dass ich auch ganz dringend so einen Hammer brauchte. Mit Ralphy stürzte ich mich ins Getümmel, um mir mit allen anderen die Köpfe einzuhauen. Klingt brutal, aber genau das passiert da in einer Menschenmenge. Wie die bekloppten hauen sich alle gegenseitig auf den Kopf und es ist ein riesen Spaß und die Hammer machen bei jedem Schlag ein quietschendes Geräusch.

Die positive Stimmung des Caminos setzte sich hier fort. Wir beobachteten, wie einige Menschen Himmelslaternen aufsteigen ließen und alle drumherum klatschten Beifall, wenn es eine Laterne aus dem engen Gassen hinaus in den Himmel geschafft hatte. So eine tolle Stimmung. Einen besseren Abschluss für meinen Camino hätte es nicht geben können. 

Am nächsten Morgen begaben wir uns auf die Suche nach einem guten Frühstück. Weit mussten wir nicht gehen. Gegenüber unseres Apartments befand sich ein Szene-Hostel, mit natürlich auch Szene-Frühstück. So hatte ich im Garten des Hostels das beste Frühstück seit ca. 3 Wochen. Mit Brötchen, Marmelade, Rührei, Obstsalat, Kaffee und Saft. Das Hostel machte wirklich einen tollen Eindruck. Ich glaube der Name war “Selina”. Ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man mal in Porto sein sollte.

Nach dem Frühstück besuchten wir die Einkaufsmeile und ich vertrieb mir die Zeit in diversen Geschäften, während ich Ralphy mit seinem Kindle zurückließ. Wir machten dann noch einen Abstecher zur Kathedrale, “wo alles begann”. Es fühlte sich komisch an, wieder dort zu sein. Andere Pilger zu sehen, die gerade auf ihrem Jakobsweg starteten. Und auch wenn ich erst vor knapp 14 Tagen dort selbst gestartet war, so fühlte es sich an, als wäre ein halbes Leben seitdem vergangen. Ich hatte mich verändert auf dem Weg. Eindeutig. Und es gefiel mir sehr. Morgen würde ich zurück nach Hause fliegen. Ich war emotional immer noch nicht bereit. Aber es gab kein Zurück, beziehungsweise kein “Hierbleiben”. 

Für unser letztes gemeinsames Abendessen in Porto wählten wir eines der bevölkerten Restaurants in einer schönen Gasse aus. Neben dem besten Frühstück seit langem, hatte ich hier auch das beste Abendessen seit langem. Ich hatte Thunfischsteak und als Nachtisch noch Schokoladenpudding und Schokoladeneis. Ja, wir hätten es durchaus schlechter treffen können, hehe. Zurück im Apartment packten wir unsere Sachen zusammen. Ralphys Flug ging morgen gegen Mittag. Sein nächstes Ziel war Paris. Dort wollte er Freunde besuchen. Ich verschenkte meinen Schlafsack an ihn, da er schon den gesamten Jakobsweg ohne Schlafsack unterwegs war und er in Paris auch in Hostels übernachten wollte.     

Am nächsten Morgen frühstückten wir ein wenig Obst im Apartment und machten uns dann auf den Weg zur Metro, um zum Flughafen zu fahren. Es ging mir nicht gut an diesem Tag. Der Abschiedsschmerz überkam mich immer mal wieder und so saß ich in der Metro neben Ralphy und kämpfte mit den Tränen. Am Flughafen tranken wir noch gemeinsam einen Kaffee und dann war die Zeit für Ralphy gekommen, durch die Sicherheitskontrolle zu gehen. Mein Flug ging erst nachmittags und so hatte ich noch einige Zeit am Flughafen vor mir. Es war für mich unglaublich schwer, mich von Ralphy zu verabschieden. Er war mir sehr ans Herz gewachsen und unsere gemeinsamen Gespräche taten meiner Seele sehr gut. Letztendlich wusste er mehr persönliche Dinge und Gedanken von mir, als viele meiner Freunde. Wir standen ca. 10 Minuten vor der Sicherheitskontrolle und umarmten uns. Und meine Tränen liefen und liefen. Wie ihr mittlerweile sicher wisst, sind Abschiede sehr schwer für mich, aber dieser war wirklich besonders schwer. Irgendwann verschwand er dann hinter der Absperrung und ich suchte mir einen sonnigen Platz vorm Flughafengebäude, wo ich versuchte, wieder zu mir zu kommen. Ich habe ungelogen mehrere Stunden geweint. Nicht alleine, weil Ralphy weg war, sondern weil diese Reise zu Ende war. Ich musste wieder nach Hause. Zurück in den Alltag. In den Alltag, vor dem ich geflohen war. Viele fragten mich im Nachhinein:”Und warum warst du jetzt wirklich auf dem Jakobsweg?” Natürlich war ich nicht einfach aus Jux und Dollerei auf die Idee gekommen. Ich wollte unter anderem meinem sozialen Leben entfliehen. Ich war genervt, von den Menschen in meinem Leben. Zu oft ging es um Lügen, Intrigen. Ich habe mich nicht verstanden gefühlt. Hatte Schuldgefühle, war unzufrieden, in welche Bahn mein Leben lief. Ich musste da einfach raus. Und da am Flughafen wusste ich, es wird hart, nicht wieder in dieses Muster zurückzufallen, wenn ich zu Hause bin. Ich vermisste das Gefühl der Sorgenfreiheit jetzt bereits. Und so weinte ich vor mich hin. Die ganzen Tränen, die auf dem Jakobsweg nicht rauskamen, habe ich alle am Flughafen in Porto gelassen. Naja, zumindest habe ich sie nicht mit nach Deutschland genommen *zwinker*. 

Als endlich der Schalter für meinen Flug nach Bremen geöffnet wurde, habe ich meinen Rucksack aufgegeben und auch die Abflughalle betreten. Ich entdeckte einen coolen Laden, in dem ich tatsächlich ein paar Souvenirs kaufte. 

Ein Sandwich später war ich dann so langsam bereit, nach Hause zu fliegen, da entdeckte ich auf der Anzeigetafel, dass mein Flug verspätet war. Na super. In einer Ecke der Abflughalle stand ein Klavier mit einigen Stuhlreihen davor. Ich nahm Platz und lauschte einem Klavierkonzert.

warten…

Natürlich musste ich wieder weinen, aber diesmal war es anders. Ich fühlte mich wieder erfüllt von Liebe und Zuversicht, so wie ich mich den ganzen Jakobsweg lang gefühlt hatte. Dann endlich wurde das Gate bekannt gegeben, von dem das Boarding starten würde. Ich reihte mich brav in die Schlange ein und wartete weiter. Dann erst kam das Flugzeug an. Wir wurden in den nächsten Bereich gebracht und warteten wieder. Diesmal draußen und es regnete. Die Passagiere stiegen aus, die Crew wechselte, das Flugzeug wurde gesäubert. Mein Rucksack fuhr auf einem Gepäckwagen an mir vorbei und ich beobachtete, wie er ins Flugzeug geladen wurde. Dann durften auch endlich die Passagiere einsteigen. Meine Ankunftszeit verschob sich immer weiter nach hinten. Meine Eltern warteten bereits in Bremen auf mich. Sie wollten mich nämlich netterweise vom Flughafen abholen. Schließlich startete das Flugzeug und diesmal hatte ich tatsächlich gar keine Angst mehr vorm Fliegen. Ich fühlte mich müde und erschöpft und schlummerte ein wenig. Meine Flug-Ohrstöpsel hatte ich bereits zum Start eingesetzt, aber ich merkte, dass ich dennoch schlimmen Druck auf den Ohren hatte. Meine Theorie im Nachhinein ist, dass meine Ohren einfach zu klein für die Stöpsel sind. Das nächste Mal werde ich mir die Kinder-Version kaufen.

Endlich in Bremen angekommen, mussten wir noch ca. eine halbe Stunde nach der Landung im Flugzeug ohne Klimaanlage verharren, denn die Treppe, die wir brauchten um auszusteigen wurde nicht gebracht. Und in Deutschland war es tatsächlich wärmer, als in Portugal! Schließlich wurden wir rausgelassen und die nächste Hiobsbotschaft erreichte uns beim Gepäckband. Offensichtlich war das Förderband kollabiert und einige Gepäckstücke lagen wild aufeinander gestapelt auf dem Band. Mein Rucksack war leider nicht dabei. Also musste ich warten, bis ein Flughafenmitarbeiter jeden Koffer einzeln transportierte. Zwischendurch hörte ich sogar, wie sich meine Eltern in der Ankunftshalle unterhielten. (Der Flughafen in Bremen ist echt klein) Dann endlich tauchte mein pinker Rucksack auf. Endlich konnte ich die Gepäckausgabe verlassen und lief in die Arme meiner Eltern, die mit einem Plastik-Flamingo bewaffnet auf mich warteten. Nun habe ich mich wirklich gefreut, wieder zu Hause zu sein! Doch was antwortet man nach dieser intensiven Reise auf die Frage: “Und Kind, wie wars?” … “Ehm, gut?” Tatsächlich war ich wenig gesprächig und freute mich einfach nur auf mein Bett und eine richtige Bettdecke. Ganz besonders freute ich mich auch auf meine Hasen, die ich am nächsten Tag wieder nach Hause holen würde. Die kleinen Fellknäuel haben mir echt gefehlt. 

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